Stein auf Stein zur Sonne

Artikel mit Tag geschichte/history

Sonntag, 23. Januar 2011

Was bisher geschah...

Wie schon im ersten Artikel erwähnt ist schon einiges passiert seit wir uns entschlossen haben ein Haus zu bauen. Hier mal ein kurzer (naja, fast) Abriss der Geschichte.

Los ging's Mitte/Ende 2009. Irgendwie kam die Idee auf, dass wir ein Haus bauen könnten. Uns gefällt die Gegend hier ja ganz gut, in einer Mietwohnung wollen wir beide nicht das ganze Leben wohnen, Altersvorsorge etc. und außerdem brauche ich ja Platz für mein Schlagzeug. Oder so ähnlich. Wir haben also erstmal etwas recherchiert um einen Eindruck zu bekommen, was geht und was wir uns so leisten können und wollen. Ein guter Einstieg ist ein Besuch im Musterhauspark in Erfurt. Dort haben verschiedene Anbieter in verschiedenen Techniken Häuser hingestellt und man kann sich mal einen Überblick verschaffen, was so geboten wird (auch wenn das beiweitem nicht alles ist). Zusätzlich haben wir uns natürlich noch im Netz umgeschaut und einige interessante Dinge gefunden. Ein Hauptthema für uns ist Zukunftssicherheit. So sind wir ursprünglich bei einem Passivhaus gelandet. Der – eigentlich logische – Grundgedanke: keine Heizung, keine ständig steigenden Heizkosten. Haben wir uns also mal etwas genauer angesehen. Das Problem: man nenne uns fantasielos, aber ein Haus, in dem man den ganzen Winter kein Fenster öffnen kann macht uns etwas nervös. Wenn es sauber funktioniert, wunderbar. Aber wenn nicht? Was ist bspw. wenn man längere Zeit im Urlaub ist? Die Körperwärme wird ja bei der Heizung mit einkalkuliert. Wir waren noch etwas skeptisch...

Manu hat bei der Recherche im Netz einiges an Infomaterial angefordert, so auch von Helma. In deren Paket war auch ein Gutschein für eine kostenlose Hausberatung an deren Standort in Zella-Mehlis dabei. Außerdem bekamen wir eine Einladung zu einem Vortrag über Solarthermie, eine Technologie, die wir bisher gar nicht auf dem Radar hatten. Wir haben beide Angebote angenommen und waren von der Technik sehr angetan (ok, ich bin leicht zu begeistern, wenn es um Technik geht). Unser gedankliches Problem wäre gelöst: wir könnten ein Haus bauen, was wir quasi "normal" benutzen können ohne über die Nachteile von Passivhäusern nachzudenken (ich kann mir bspw. nicht vorstellen, dass die Lüftungsanlage lautlos ist. Aber ich bin auch kein Experte auf dem Gebiet.), wären aber nicht abhängig von den Ideen und Wünschen der Gas-/Öl-/Stromversorger (ok, technisch gesehen brauchen wir natürlich trotzdem etwas Strom für den Betrieb der Heiztechnik wie Pumpen etc.). Gefällt uns...

 Um mal einen Eindruck zu kriegen, wie das Haus aussehen könnte haben wir uns auf der Helma-Webseite umgeschaut und sind auf das Haus "Leipzig" gestoßen. Nun... um mich war's geschehen. Die große Glasfläche... die Galerie... schick. Nachdem wir im Musterhaus in Baiersdorf waren, waren die Diskussion eh überflüssig. Ich hab das Wohnzimmer betreten und gedacht: "Genau so will ich das." Ok, vereinfacht die Entscheidung, macht aber andere Dinge komplizierter (dazu gleich). Unsere Freunde haben die Idee des Sonnenhauses mit seinem Speicher jedenfalls erstmal aufgegriffen und mir eins zum Geburtstag geschenkt.

A sun house made of cakes
Mein Sonnehaus 2009

Das Problem: ich wusste jetzt genau, wie unser Haus aussehen soll. Dummerweise bin ich etwas zickig, was meine Privatsphäre angeht... Naja, große Glasfläche... Privatsphäre... Die Glasfläche muss also auf jeden Fall von der Straße weg zeigen. Außerdem soll genug Platz zu den Nachbarn sein. Naja und dann muss die Dachseite auch noch nach Süden zeigen, weil sie mal die Kollektoren für die Heizung trägt. Das schränkt die Grundstückswahl schon ein: kein Nordhang (klar), die lange Seite Nord-Süd ausgerichtet (wegen des Platzes zu den Nachbarn) und die Straße im Norden (so dass die Glasfläche hinterm Haus ist). Außerdem darf die Südseite natürlich nicht verbaut sein. Hm... Wir haben uns in und um Ilmenau einige Grundstücke angeschaut (man entwickelt mit der Zeit eine ganz gute Fähigkeit aus den Bildern der Online-Anzeigen über das Luftbild auf die Lage des Grundstücks zu schließen) und verworfen. Mal war die Ausrichtung falsch (da hätte die Glasfront seitlich neben die Straße gezeigt), dann wieder war der Platz zum Nachbarn sehr klein (neu ausgewiesene Baugebiete sind da ware Meister im Dicht-an-Dicht-Packen von Häusern), mal war es ein Nordhang, der auch noch mit verfallenen Stollen unterminiert ist (Ilmenau liegt am Nordrand des Thüringer Waldes und war früher mal eine Bergbauhochburg) und dann war der Grundstückspreis wieder zu hoch (auch wenn der im Verhältnis zu größeren Städten hier spottbillig ist). Schließlich und letztendlich hat es über 5 Monate gedauert und einige Makler beschäftigt bis wir unser Wunschgrundstück gefunden hatten: Ausrichtung fast Nord-Süd, Straße fast im Norden, massig Platz und sehr nah an Ilmenau (wenn auch nicht direkt in der Stadt). Ein paar Nachteile gab/gibt es ja immer, also: die Größe war noch unklar (ok, eigentlich ein Vorteil: wir konnten es uns so ein Stück weit raussuchen), der Kaufpreis (natürlich Verhandlungssache), der Anschluss an eine Kläranlage (nicht vorhanden, wir müssen eine Kleinkläranlage bauen) und zuguterletzt die Genehmigung für die Ausrichtung des Hauses (das Grundstück verlauft etwa nach 160°, wir müssen das Haus aber nach 180° ausrichten. Deutsches Baurecht, wissen schon...).

Trotz der Unklarheiten setzen wir uns im Juni 2010 mit Makler und Verkäufern zusammen und reden mal über Größe und Preis des Grundstücks. Da unsere Vorstellungen nicht allzuweit auseinander liegen einigen wir uns auf folgendes Vorgehen: wir gehen sozusagen in Vorleistung und beauftragen eine Architektin mit der Planung des Hauses und der Erstellung einer Bauvoranfrage um die Drehung des Hauses im Grundstück und damit die grundsätzliche Machbarkeit zu klären. Dafür reservieren uns die Verkäufer das Grundstück solange (und das war am Ende recht lang...) Wir rotieren also los und beauftragen unseren Teil (da wird man ja schon das erste Mal arm. Wobei man sagen muss: die Architektin wurde mit Unterschrift des Hausvertrages von Helma übernommen, aber dazu später). Im Juli wird das Bodengutachten angefertigt und wir erhalten die ersten Entwürfe des Hauses. Wie das so ist: da müssen Dinge abgeändert werden. Sehr angenehm: unsere Architektin reagiert schnell und flexibel auf unsere Wünsche. Selbst unsere amateurhaften Skizzen akzeptiert sie anstandslos und formt sie zu etwas, das man auch tatsächlich bauen kann. So schaffen wir es Mitte August die Bauvoranfrage einzureichen. Die soll uns noch etwas länger beschäftigen...

In der Zwischenzeit ist aber erstmal die Frage der Finanzierung zu klären. Die erste Kostenschätzung seitens Helma stimmt uns sehr nachdenklich: soviel können wir uns nicht leisten, denken wir. Nachdem unsere Finanzberaterin unsere Verhältnisse durchleuchtet hat sind wir wieder etwas optimistischer. Sollte gehen. Ende Oktober (man beachte: nach über zwei Monaten!) platzt der erste Notartermin zum Grundstückskauf, weil wir immernoch keinen Bescheid über die Bauvoranfrage haben. Dem Vernehmen nach hat unser Helma-Berater hart verhandelt, da der Wunsch nach der Drehung des Hauses nicht wirklich gut ankam. Letztlich überließ die Behörde die Entscheidung der Gemeinde und die war einverstanden. Den Bescheid haben wir dann extra noch selbst im Landratsamt abgeholt, damit auch nichts mehr schiefgeht. Am 3.11. (wohlgemerkt: Ende Juni waren wir uns mit den Verkäufern über alles einig) können wir endlich zur Unterschrift des Vertrages schreiten. Dann ist ja alles geklärt... Denkste.

Bis so ein Vertrag wirksam wird müssen tausende Sachen geprüft werden, x Behörden wollen was dazu sagen (und dafür Gebühren einstreichen) etc.pp. Weder wir noch die Verkäufer hatten damit gerechnet, dass das so lang dauert (vor allem die Prüfung ob das Grundstück zwischen 1933 und 1990 enteignet wurde zieht sich). Wir beauftragen in der Zwischenzeit schonmal die Vermessung. Aber auch damit haben wir kein Glück: am 24.11. fängt es an zu schneien. Im Großen und Ganzen versinkt Deutschland im Chaos (ok, die Gegend hier ist das gewohnt und daher recht unproblematisch), im Kleinen und Privaten müssen wir warten, da die Vermesser bei soviel Schnee nichts arbeiten können. 6.12.: immernoch keine Vermessung. Dafür unterhalten wir uns kurz drauf mit der Bank und sind recht optimistisch, was die Finanzierung angeht. Und es schneit weiter...

Damit uns nicht zu langweilig wird (und weil wir vor Weihnachten Urlaub haben) lassen wir uns schonmal eine Küche für's Haus planen. Erstens wollen wir wissen, wieviel Geld wir dafür etwa einplanen müssen und zweitens könnten wir ja noch Änderungen am Grundriss vornehmen, wenn es nötig wäre. Ist es, wir lassen an einer Stelle noch eine kleine Wand einplanen. Die Vermesser haben uns derweil ganz oben auf die Liste gepackt, aber es schneit ja noch. Wir lassen uns solang noch eine Küche planen – der Vergleichbarkeit wegen...

Die Zeit zwischen den Jahren bringt nochmal hektische Betriebssamkeit. Wir wollen noch einige Preisvorteile und Boni mitnehmen und müssen daher mit der Vertragsgestaltung fertig werden. Also noch letzte Änderungen (auch dank Anregungen von außen) an den Grundrissen, einige Dinge in Eigenleistung übernommen (andere dafür wieder nicht mehr) und wir unterschreiben am Stichtag den Vertrag. Unter Vorbehalt natürlich, weil noch sind ja Finanzierung und Grundstückskauf nicht durch (man erinnere sich: wir warten noch auf die Genehmigung nach Grundstückverkehrsordnung, die Sache mit den Enteignungen).

Das neue Jahr bringt erstmal was positives: es taut. Wir schauen mal am Grundstück rum um die Vermesser notfalls in Marsch zu setzen und sind beeindruckt: drei Meter hohe Schneehaufen. Hm, die Nachbarn haben wohl zusammengeschoben... Egal, die Vermesser können trotzdem und am 12.1. ist das Grundstück vermessen. Zum Vororttermin mit dem Vermesser geht mir erstmal so richtig auf, wie groß 1200m² sind. Hm, ich brauche einen Rasentraktor... Kurz drauf können wir alles Unterlagen für die Kreditvergabe bei der Bank einreichen. Nur das Grundstück haben wir immernoch nicht. Aber auch da deutet sich schon Besserung an: die Post möchte uns ein Einschreiben zustellen (hat uns aber nicht angetroffen). Kann eigentlich nur der Brief vom Notar sein, dass es endlich weitergehen kann.

A marker in the snow
Der momentane Stand: Das Grundstück ist mit formschönen Markierungshölzern (und natürlich den zugehörigen Grenzsteinen) vermessen. Wir warten auf Nachricht vom Notar, dass wir zahlen können und dann alles weitergeht.

Geschrieben von Markus um 13:41 | Kommentare (2) | Trackbacks (0)
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